Es war die wohl ambitionierteste Großveranstaltung des forum:autoren im Rahmen des Münchner Literaturfestes: fünf Lyrikerpaare hatte Kurator Matthias Politycki eingeladen, insgesamt fünf Stunden Live-Lyrik am Stück wurde den Besuchern der Veranstaltung am 13.11.2011 im Ampere Club (Muffatwerk) geboten, moderiert von Julia Westlake und Matthias Politycki. Kommt da wer? Bleiben die auch?- das waren die Fragen der Skeptiker.
Der Rest ist Geschichte. Es musste gleich zu beginn emsig nachgestuhlt werden und vor ausverkauftem Haus verflogen vergnügliche Stunden bei Gedicht und Gespräch mit Hellmuth Opitz & Fitzgerald Kusz, Steffen Jacobs & Nora Bossong, Dirk von Petersdorff & Fritz Eckenga, F.W. Bernstein & Ulrike Almut Sandig und Thomas Rosenlöcher, der ohne die erkrankte Ulla Hahn ein formidables Solo gab.
Eine reich bebilderte Nachlese des Dichter-Marathons gibt es hier im fabMUC-Blog nachzulesen. Jetzt sind der Filmregisseur Richard Westermaier und Kurator Politycki aus der Dunkelheit des Schneideraums zurückgekehrt und präsentieren ein schönes Stück bewegter Erinnerung an einen denkwürdigen Nachmittag:
Einigkeit am Gästebuch: “Supersause!”, finden alle.
„Mein großes Kompliment für das fabelhaft durchdachte und bewältigte Sprachfest – das war große Klasse und ist ein Maßstab.“ Hans Pleschinski
„Aufregend, anregend; frappierend, wie es gelungen ist, das Prinzip von Begegnung und Debatte in die DNA des gesamten Festivals zu implementieren. Tage lustvollen, leidenschaftlichen intellektuellen Extremsports, Heimkehr mit einem Überschuss an Inspiration und Hornhaut auf Hirn und Leber. Ein großes Danke an alle Beteiligten – es war im wahrsten Sinne des Wortes ein Fest!“ Tina Uebel
„Literatur auf allen Kanälen – das Literaturfest 2011 fand auch den Weg in die Schulen und an die Uni, in die Köpfe und hoffentlich in die Herzen der Menschen in München, ein Anfass-Event, natürlich im übertragenen Sinn.“ Thomas Lang
„literaturfestival münchen – das bedeutet begegnungen, wie sie sein sollen: www – wertvoll, wach, wisionär “ Michael Stavaric
„Dir [Matthias Politycki] ist das beste Literatur-Festival gelungen, an dem ich jemals teilnahm. Ich beglückwünsche Dich zu dieser einmaligen und herausragenden Leistung. (…) Du hast das Festival mit Deiner Persönlichkeit geprägt und uns allen zu einer Aussage verholfen, die weiter wirken wird. Erinnerst Du Dich an unser Nacht-Gespräch? Wie die Maler in Leipzig eines Tages sagten: Wir sind Maler, wir malen – so haben wir dank und mit Dir in München sagen können: Wir sind Schriftsteller, wir erzählen.” Thomas Hürlimann
„Es war ganz wunderbar und fantastisch organisiert!!
Darauf können Heike Braun und das Festivalteam sehr stolz sein.“ Lydia Daher
„Danke für das schöne Fest, die Betreuung war hervorragend, und ich habe mich bei allen Veranstaltungen sehr wohlgefühlt.“ Dirk Kurbjuweit
„War wunderbar, in München, bei Dir [Matthias Politycki], bei euch. Danke, ich durfte dabei sein! Sitze hier an der Arbeit und kämpfe mit Entzugserscheinungen.“ Hansjörg Schertenleib
„Das Fest hat mir gut gefallen, ich finde, dass alles sehr sympathisch und vornehm und auch großzügig abgewickelt wurde, ich war froh, daß ich da war.“ Josef Winkler
„Das Literaturfest war wunderschön für mich! Herzlichen Dank für alles! Ich habe mich toll betreut gefühlt!“ Xochil A. Schütz
„Danke auch für den großen Einsatz! Es war wirklich sehr schön, ich fand es schade, dass ich nicht noch länger bleiben konnte.“ Tanja Dückers
„Ich war gerne mit von der Partie, und das von Matthias Politycki kuratierte Literaturfest schien mir rundum gelungen!“ Hans Christoph Buch
„Ich muss Ihnen für Ihre sicherlich umfangreiche Arbeit vor, während und nach dem Fest mein höchstes Kompliment aussprechen. Es war alles perfekt organisiert und lief ja auch weitestgehend wie am Schnürchen. Auch noch mal persönlich ein Dankeschön für die Einladung und gute Betreuung!“ Hellmuth Opitz
allmächd na,
suviel dichdä aff emm haffm!
und alle hamm si vädroong.
dankschäi:
es woä gscheid schäi! Fitzgerald Kusz
Zum Abschluss gibt’s ein Video mit den Highlights des Literaturfestfests am 12.11.2011 in der Münchner Muffathalle. Zu sehen sind Bas Böttcher, Lydia Daher, Alex Dreppec, Albert Ostermaier, Xóchil A. Schütz, Michael Lentz, F. W. Bernstein, Salli Sallmann und Deadline, die Band der Süddeutschen Zeitung. Viel Vergnügen!
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Es kommt, was kommen muss: Wir verabschieden uns – fürs Erste.
Wir hatten in den vergangenen 66 Tagen 31.000 Besucher auf unserer Seite, davon die Hälfte im Literaturfestmonat November. Am häufigsten fand man über die Suchmaschinenabfrage „fabmuc“ (wenig erstaunlich) und „liebesgedichte“ (schon erstaunlicher) zu uns; gezielt angewählt wurde übrigens besonders oft das Gelegenheitsgedicht von F. W. Bernstein.
Die meisten Besucher fanden über Facebook zu uns, wo wir über 250 Freunde versammeln konnten, bei denen wir uns noch einmal ganz herzlich bedanken wollen.
Wir bedanken uns noch mal bei allen Autorinnen und Autoren, Moderatorinnen und Moderatoren, studentischen Vertreterinnen und Vertretern, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Verlagsmitarbeiterinnen und ‑mitarbeitern, Teammitgliederinnen und ‑mitgliedern; internethalber aber besonders bei Adrian Kasnitz, Alex Willrich, Alexander Gumz, Alke Müller-Wendlandt, Andreas Ammer, Andreas Heidtmann, Andreas Schumacher, Andreas Stichmann, Annette Hagemann, Anton G. Leitner, Arne Hilke, Axel Klingenberg, Bastian Beier (Lapinot), Benjamin Maack, bushcooks kitchen, Christian Bartel, Christian Kreis, Christian Maintz, Christian Y. Schmidt, Christoph Wenzel, Christopher Weber, Clara Ehrenwerth, Claus Ast, Daniel Graf, Denis Metz, F. W. Bernstein, Fabian Thomas, Florian Franz, Friederike Schanz, Heike Braun, Helmut Obst, Henning Schlüter, Herr Paulsen, Jan Fischer, Judith Grobe, Jürgen Marschal, Julia Fix, Julia Mettenleiter, Julian Heun, Juliana Krohn, Kaltmamsell, Katrin Lange, Kittihawk, Klaus C. Zehrer, Leo Riegel, Lothar Thiel, Luc Spada, Lutz Wöllert, Marco Finkeinstein, Marcus Roloff, Martin Scharfe, Martin Spieß, Matrattel, Matthias Politycki (sowieso), Mechtild Storm-Propp, Michael Holtschulte, Miguel Fernandez, Moses Wolff, mucbook, Niko Burger, Nora Gomringer, Peter Gayman, Richard Westermaier, Robin Vehrs, Roland Scheerer, Rudolph Beck-Dülmen, Sebastian Dickhaut, Stefan Mesch, Steffen Gumpert, Stephan Maus, Susanne Meierhenrich, Sven K., Tante Kong, Tex Rubinowitz, Til Mette, Titanic-Magazin und Tobias Kunze, die uns geholfen haben, dieses Blog zu dem zu machen, was es ist.
Zu einer großartigen Sache nämlich.
Lasst’s euch gutgehen,
eure Stevan Paul, Hamburg, und Lino Wirag, München
Simon Urban, Armin Kratzert, Hajo Steinert. Bild: J. Krohn
Kurator Matthias Politycki eröffnete die sechste Klartext-Debatte in der Hoffnung, dass die Diskutanten diese letzte Gelegenheit nutzen würden, um sich endlich von Kulturkritik und Betriebsbespiegelung ab‑ und der Sprache als eigentlichem Kern des Literarischen zuzuwenden. Dass dies nicht gelang, vielleicht sogar spektakulär scheiterte, ist nicht Politycki anzulasten: Das Übergewicht polemisch gestimmter (männlicher!) Literaturkritiker sorgte schlicht dafür, dass die anwesenden Schriftstellerinnen und Schriftsteller nicht zu Wort kamen und eine echte Verständigung misslang.
Zu Beginn durfte Prof. Annette Keck ihre Rolle als Ko-Moderatorin nutzen, um die Germanistik, die in den vergangenen Tagen oft gescholten worden war, in Schutz zu nehmen: Keck wies noch einmal darauf hin, dass die Literaturwissenschaft nicht nur für die Vermittlung historischer Dimensionen zuständig sei, sondern ihre Aufgabe – genauso wie Literaturkritik und Schriftstellertum – darin sehe, das „Glück der Sprache“ weiterzuvermitteln.
Feuilletonist Tilman Krause, dessen Name anschließend aus dem Lostopf gezogen wurde, zeigte sich unvorbereitet und improvisierte ein Statement, in dem er den dominierenden Kulturpessimismus der literarisch-akademischen Klasse anprangerte und die Devise „Mittelmaß war immer“ als etwas Positives verstanden wissen wollte: Wirklich herausragende schriftstellerische Arbeiten und Diskursbeiträge, so Krause, habe es auch in der Vergangenheit nicht häufiger gegeben als heute. Matthias Polityckis Anliegen, sich wieder auf gemeinsame Bewertungskriterien zu verständigen, empfände er als „rückwärtsgewandte Utopie“.
Jan Brandt vor komplementärfarbenem Hintergrund. Bild: J. Krohn
Der Schriftsteller Jan Brandt („Gegen die Welt“) präsentierte anschließend eine kleine Umschau seiner gegenwärtig schreibenden Kolleginnen und Kollegen, deren Vorzüge er pries, bevor er bemängelte, die bestehenden deutschsprachigen Romane seien trotz allem ‚rückwärtsgewandt‘ und erreichten nicht das epische Niveau US-amerikanischer Monumentalromane. Brandt gab seiner Hoffnung nach einer deutschen great American novel im Stile eines David Foster Wallace Ausdruck; der deutschsprachigen Literatur fehle schlicht deren „literarischer Größenwahn“. Weiterlesen →
Eskapismus, ruft ihr mir zu,
vorwurfsvoll.
Was denn sonst, antworte ich,
bei diesem Sauwetter! -
Das sind die ersten vier Verse des Gedichts “Der Fliegende Robert” von Hans Magnus Enzensberger. Es bezieht sich auf die letzte Geschichte des “Struwwelpeter”, in der ein aufmüpfiges Kind während eines Sturms, an einen Schirm geklammert, durch die Wolken fliegt. In Enzensbergers gewagter Umdeutung wird dieser tragische Unfall zur trotzigen Realitätsflucht. Das “Sauwetter” müsste demnach eine irgendwie ungemütliche Gegenwart meinen – ob gesellschaftlich, politisch oder einfach nur alltäglich-langweilig.
Ich spare es mir, jetzt Gemeinplätze zu unserer stürmischen Zeit aufzusagen. Es soll hier nur um die Wetterlage der deutschen Gegenwartsliteratur gehen. Und in einer – vielleicht ebenfalls gewagten Umdeutung – will ich diese ausgehend vom Begriff des Eskapismus bestimmen:
Man bezeichnet damit eine – bewusste oder unbewusste – Haltung gegenüber der Realität: aus ihr wird geflüchtet in scheinhafte Ersatzräume, wie etwa der fiktiven Welt eines Romans. Weiterlesen →