forum:autoren vorgestellt (16): Judith Kuckart im fabMUC-Interview


Judith Kuckart, Foto: © Renate von Mangold

Stevan: „Ich schreibe, weil ich sterben muss“ ist die zweite Antwort auf die Frage nach den eigenen Schreibmotiven im pointierten Interview-Film auf der Startseite Ihrer Homepage, die erste Antwort lautet: „Ich schreibe, weil ich Geld verdienen muss“. Zwischen den beiden Antworten liegen bislang sechs Romane, ein Erzählband, zehn Theaterstücke und vier Hörspiele. Frau Kuckart, sind Sie reich?

Judith Kuckart: Nein, ziemlich alt.


Judith Kuckart im DUMONT Verlag (Auswahl)

Wie Sie, über den Punk im Berlin der 80er-Jahre, über den Tanz und ein Opernprojekt mit FM Einheit zum Schreiben gekommen sind, erzählen Sie in Ihrem Beitrag zur eben erschienenen „Punk Stories“-Anthologie von Kraft/Müller/Rautenberg. Was ist Ihnen persönlich geblieben, von Punk als Idee und Haltung, jenseits modischer oder musikalischer Ausdrucksformen?

Ich glaube, geblieben ist mir der Spass am Improvisieren und das Vertrauen, dass einem immer was einfällt, auch wenn das Wasser bis zum Hals steht.

Sie lernten klassisches Ballett und modernen Tanz in Düsseldorf und Essen, waren bis 1998 Leiterin des legendären Berliner Tanztheaters Skoronel. Der Tanz, die Körper-Sprache, findet sich immer wieder in Ihren Romanen, die Biographien Ihre Figuren sind oft mit der Bühne verknüpft. Als Theater-Regisseurin arbeiten Sie zudem mit Wort, Dramaturgie und Körper gleichermaßen. Inwieweit fließen die Ausdrucksformen, Erfahrungen und Arbeitsweisen von Tanz und Theater in Ihre literarische Arbeit ein?

Ich denke, dass das Handwerk aus dieser Tanzvergangenheit mehr einfließt als ich es selber weiß. „Nebenwirkungen“ von damals erkenne ich daran, dass ich gern beschreibe, wie Menschen sich bewegen, weil dadurch ihre innere Bewegtheit sichtbar wird.

Als Schriftstellerin sitzen Sie immer wieder auch selbst auf der Bühne, welche Rolle spielen Lesungen in Ihrer Arbeit? Welche Bedeutung hat Live-Literatur für Sie?

Lesungen gehören zum Kapitel: Ich schreibe, weil ich Geld verdienen muss. Sie gehören aber in den geglückten Fällen, und davon gibt es einige, zu den besten Begegnungen mit Lesern, die man beim Schreiben ja sonst nicht mit am Tisch sitzen, oder im Gespräch hat. (Gruß nach Schwetzingen!)

Auf Ihrer Homepage empfehlen Sie als Schriftstellerin Bücher anderer SchriftstellerInnen, die sie gerne gelesen haben, eine so seltene wie wunderbare Idee! “Bücher sind die Begleiter in der Zeit, die man mit sich selbst verbringt.“ schreiben Sie. Verraten Sie uns Ihre derzeitige Lieblingsbegleitung

Pamuk: Der Koffer meines Vaters.

In München werden Sie gemeinsam mit Norbert Gstrein die Samstagnachmittagserklärung mit vier Fragen an die deutsche Literatur eröffnen und über Inspiration und Themenfindung sprechen. Worauf freuen Sie sich besonders, was erwartet die Festivalbesucher, was erwarten Sie von München?

Ich freue mich besonders auf den Kollegen Gstrein. Ich kenne ihn noch aus Zürich. Er ist Mathematiker gewesen. Da muss man mit allem rechnen.

Judith Kuckart

Judith Kuckart, Geboren 1959 in Schwelm (Westfalen), absolvierte Judith Kuckart eine Tanzausbildung an der Folkwang-Schule in Essen und studierte bis 1983 Literatur- und Theaterwissenschaft in Köln und Berlin. 1984 war sie Assistentin am Choreographischen Theater der Stadt Heidelberg. 1985 gründete sie das TanzTheater Skoronel, mit dem sie bis 1998 an verschiedenen deutschen und internationalen Bühnen auftrat. Seit Beginn der Neunzigerjahre veröffentlicht sie Romane und Erzählungen. Judith Kuckart ist Mitglied des P.E.N.-Zentrums Deutschland. Sie wurde unter anderem mit dem Rauriser Literaturpreis, dem Stipendium der Villa Massimo und dem Deutschen Kritikerpreis ausgezeichnet. Die Autorin lebt heute in Zürich und Berlin.

Veröffentlichungen: „Wahl der Waffen“ Roman (S. Fischer Verlag 1990), „Die schöne Frau“ Roman (S. Fischer Verlag 1994), „Last Minute, Fräulein Dagny“ Theaterstück (UA Freie Kammerspiele Magdeburg/LTT Tübingen 1995), „Der Bibliothekar“ Roman (Eichborn Verlag 1998), „Lenas Liebe“ Roman (DuMont 2002), „Dorfschönheit“ Novelle (DuMont 2003), „Die Verdächtige“ Roman (DuMont 2008), u.a.

Judith Kuckart in München

Samstagnachmittagserklärung
Vier Fragen an die deutsche Literatur

15.00 Uhr Judith Kuckart und Norbert Gstrein
Der Stoff, der auf den Nägeln brennt
Inspiration funktioniert nicht auf Bestellung, Schreiben nicht nach Modethemen. Welcher Stoff kommt überhaupt »auf die Nägel«, wie kommt er dorthin und was wird dort mit ihm?

Moderation: Christoph Bartmann (Goethe-Institut New York) und Silke Behl (Radio Bremen)
In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut. Diese Veranstaltung wird aufgezeichnet vom Bildungsfernsehen BRalpha und in der Reihe »Denkzeit« gesendet.

Literaturhaus Saal
Eintritt 12,– / 9,– €
Karten unter: 089 – 29 19 34 – 27 (Literaturhaus) oder 089 – 54 81 81 81
muenchenticket.de

Ein Gedanke zu “forum:autoren vorgestellt (16): Judith Kuckart im fabMUC-Interview

  1. Pingback: forum:autoren vorgestellt (19): Hans Pleschinski im fabMUC-Interview | fabmuc

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


2 + drei =

* Copy This Password *

* Type Or Paste Password Here *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>