forum:autoren vorgestellt (16): Auf ein Bier mit Beck-Dülmen!

Rudolph Beck-Dülmen gilt neben Sibylle Lewitscharoff und Feridun Zaimoglu als eines der raren künstlerischen Multitalente, die uns beim diesjährigen forum:autoren die Ehre geben. Sein Werk umfasst nicht nur wissenschaftliche und belletristische Schriften, sondern auch feine Hinterglasmalerei, wie sie heute noch im Baptisterium von Schmölln zu sehen ist.

Beck-Dülmen, der am Abend nach seiner Lesung seinen 79. Geburtstag ‚in rauschendem Umtrunk‘ (wie er uns in einem handgeschriebenem Brief mitteilte) begehen will, verbindet eine jahrelange Künstlerfreundschaft mit Matthias Politycki, war es doch der Ältere, der dem Jüngeren die Publikation seines ersten Großromans „Aus Fälle/Zerlegung des Regenbogens“ ermöglichte, indem er kurzerhand sein Ferienhaus verpfändete.

Doch Politycki erhielt nicht nur wertvolle materielle, sondern auch künstlerische Anregungen von seinem Mäzen: Deutlich weist so der Gedichtband „Jenseits von Wurst und Käse“ Züge des sogenannten „lyrischen Reduktionismus“ auf, den Beck-Dülmen in den sechziger Jahren entwickelt hatte, um die „Welthaltigkeit des Schweigens, des Verstummens, des Unterlassens“ im Medium des Gedichts wieder zur Sprache zu bringen.

Doch im Gegensatz zu Politycki, dessen Unmusikalität sprichwörtlich ist, ist Beck-Dülmen auch Instrumentalist. Ihm verdanken wir die Entdeckung der Tatsache, dass zwischen hörbaren Tönen unhörbare „Glühtöne“ existieren, die das Spektrum des Nichthörbaren ins Unermessliche erweitern. Aber auch als Literaturwissenschaftler trat er hervor: seine „Bibliographie der von Gottlieb Daimler rezipierten Belletristik“ gilt als Standardbibliographie für jeden, der sich für die von Gottlieb Daimler rezipierte Belletristik interessiert.

Beck-Dülmen, der als Kind bei Rudolf Steiner auf dem Schoß saß und noch in hohem Alter seinen Namen tanzen kann, wurde einem breiten Publikum aber erst durch seine romanhafte Goethe-Biografie „Der trübe Gast“ (1979) bekannt, an deren Erfolg er mit seiner semi-autobiographischen Novelle „Die Windorgel“ (1984) anknüpfen konnte. Daneben publizierte er Gedichtbände wie „Gesänge des Zweifels“ (1981) und „Gesänge der Hoffnung“ (1987). Zuletzt erschien der Aufsatzband „Denker in dunkler Zeit“ über den Dichter, u.a. mit Beiträgen von Tilman Spengler und Matthias Politycki.

Das Bild, dass er uns zukommen ließ, zeigt den unerschrockenen Fast-Achtziger beim Training für den Gesundheits-Triathlon Zuffenhausen, bei dem er im kommenden Jahr erneut als Sieger aus der Seniorenklasse hervorgehen will.

Dienstag, 14.12.2011, 14.15 Uhr
Lesung und Diskussion
(M)ein Jahrhundert: Jünger werden, heißt Ernst werden
Mit Rudolph Beck-Dülmen, Moderation: Matthias Politycki
Literaturhaus-Bibliothek
Eintritt: 9,– € / 7,– €
Karten unter: 089 – 54 81 81 81 oder www.muenchenticket.de

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