forum:autoren vorgestellt (18): Schwarzer Vogel Lewitscharoff

Bild: Susanne Schleyer

Über Sibylle Lewitscharoff zu schreiben, erscheint zurzeit fast unmöglich. Vier bedeutende Preise allein in diesem Jahr, zählt man die Shortlist-Nominierung für den Deutschen Buchpreis und die Ehre, die Frankfurter Poetikvorlesungen halten zu dürfen, dazu, sogar sechs. Spät begann sie zu publizieren, dann aber mit dem nötigen Applomb: Die LSD-Trips der jungen Stuttgarter Jahre, die in konzentriertester Form in ihrem Roman „Pong“ eingingen, sicherten ihr auf Anhieb den Bachmann-Preis.
Seit Hermann Burger hatte die deutsche Gegenwartsprosa keinen so konzentrierten Stilwillen mehr erlebt. Und wie Burger ist Lewitscharoff eine Marodeurin des Phantasmatischen: Der Wahn („Pong“), das Geistergespräch („Consummatus“), die Epiphanie („Blumenberg“), der Selbstmonolog („Apostoloff“), das sind Erzähl‑ und vielleicht sogar Wesenskerne der Autorin.
Erst jüngst erschreckte sie die arglosen Besucher des Bachmann-Preises mit einer Rede zur Literatur, in der sie von einer monströsen Gegenveranstaltung schwärmte, einem mörderischen Wettlesen, dessen Verlierer schließlich erwürgt werden. Wo immer die vogelartige Gestalt der Autorin sich niederlässt und in weichem Schwäbisch ihre strengen Literaturexerzitien vorträgt, sollte man die Ohren und Seele wachhalten. Denn Sibylle Lewitscharoff legt hohe Maßstäbe nicht nur an ihre Literatur und ihre Leser, sondern auch an sich selbst an: „Charakterfragen sind übrigens“, so sagte sie einmal, „das A und O beim Schreiben. Sie werden meistens unterschätzt.“

Termine

Dienstag, 15.11.2011, 18.30 Uhr
Lesung und Diskussion
Vorabend. Soll das schon alles gewesen sein?
Mit Sibylle Lewitscharoff und Burkhard Spinnen, Moderation: Cornelia Zetzsche
Literaturhaus-Bibliothek
Eintritt: 9,– € / 7,– €
Karten unter: 089 – 54 81 81 81 oder www.muenchenticket.de

Montag, 14.11.2011, 16 Uhr
Klartext
Mit Nora Bossong, Meike Feßmann, Ulla Hahn, Steffen Jacobs, Fitzgerald Kusz, Sibylle Lewitscharoff, Paul Nizon, Hellmuth Opitz, Thomas Rosenlöcher, Ulrike Almut Sandig, Hansjörg Schertenleib, Xochil Schütz, Christoph Siemes, Michael Stavaric, Dirk von Petersdorff
Moderation: Matthias Politycki und Prof. Friedrich Vollhardt
LMU Hauptgebäude, Raum F107, Eintritt frei
In Zusammenarbeit mit dem Institut für deutsche Philologie der LMU

Ein Gedanke zu “forum:autoren vorgestellt (18): Schwarzer Vogel Lewitscharoff

  1. Pingback: Im Totenreich der deutschen Literatur | fabmuc

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