Deutsche starren in Blöcke aus dünngeschnittenem Holz

MUC – In der vergangenen Woche wurde die Studie eines Forschungsteams der Münchner Universität veröffentlicht, die beweist, dass viele Bundesbürger einen nicht unbeträchtlichen Teil ihrer Zeit damit verbringen, in Blöcke aus dünngeschnittenem Holz zu starren, eine Tätigkeit, aus der den Betroffenen große Befriedigung zu erwachsen scheint.


Blöcke aus Holz: Sind sie die Hüte von morgen?

„Viele beginnen bereits morgens auf dem Weg zur Arbeit damit. Man sieht sie in tranceartiger Haltung in der U-Bahn sitzen und auf sehr dünne Holzscheiben starren“, so Dr. Kindel, Leiterin der Arbeitsgruppe, „andere betrachten noch bis zur letzten Sekunde, an der sie abends das Licht löschen, solche Blöcke. Sie sehen etwa so aus.“ Mit den Händen simuliert die Forscherin die Größe eines flachen Ziegelsteins. „Man erhält sie allerdings in allen möglichen Farben und Formen. Es ist tatsächlich kaum möglich, sich der Faszination dieser quasi-magischen Objekte zu entziehen“, sagt Dr. Kindel und starrt dabei in einen Block aus dünngeschnittenem Holz, der vor ihr auf dem Tisch liegt. „Verzeihung. Wo waren wir stehengeblieben?“

Die Studie, in deren Verlauf die holzbezogenen Gewohnheiten von mehr als 1.000 Bundesbürgern über den Zeitraum von mehreren Monaten ausgewertet wurden, erbrachte darüber hinaus den Hinweis, dass die Faszination der betroffenen Objekte möglicherweise auf die darin sich befindlichen Zeichen zurückzuführen sei: Auf den biegsamen Holzscheiben, von denen mehrere an einer Naht miteinander verleimt oder vernäht werden, befinden sich nämlich schwarze Spuren, die entfernt an die Hinterlassenschaften von Insekten erinnern.
Auch in den Wohnungen vieler deutscher Bürger sind die Holzblöcke inzwischen angekommen. Die Studie geht davon aus, dass einige Menschen in einer Art Sammeltrieb ganze Regale mit verschiedengroßen Blöcken befüllen. In ritualartigen Sitzungen verbringen sie mehrere Stunden pro Woche damit, die dünnen Holzscheiben langsam von rechts nach links zu schieben.

„Der ständige Konsum dieser schwarzen Spuren bewirkt merkwürdige Veränderungen bei den Holzverwendern“, so Dr. Bugiardo von der Universität Fornica, der mit den Münchnern in einem wissenschaftlichen Austausch steht, „manchmal kommt es dabei zu unvorhersehbaren emotionalen Reaktionen. Die Holzverwender brechen beispielsweise in Gelächter aus. Bisweilen tritt auch Flüssigkeit aus ihren Augenöffnungen aus.“ Dr. Bugiardo wendet sich ab, um mit einer Röhre einige schwarze Spuren in einem Block aus Holz zu hinterlassen. „Sie können aber beruhigt sein: Gesundheitlich halten wir solche Blöcke für völlig unbedenklich, lediglich von frischen Exemplaren geht ein leichter Geruch nach Bittermandeltee aus.“

Schon lange hat sich die Bewegung in die Mitte der Gesellschaft verlagert Auch das Münchner Literaturfest hat sich vorgenommen, sich von der neuartigen Entwicklung nicht abschrecken zu lassen. „Wir empfinden das In-Blöcke-aus-dünnem-Holz-Starren als etwas aufregend Neuartiges“, so Matthias Politycki, Kurator des forum:autoren. „fast wie Rock ’n’ Roll. Diese Beschäftigung hat großes Potential, das wir unbedingt weiter erforschen müssen.“ Politycki deutet aufgeregt auf eine Reihe bunter Klötze aus dünnen Scheiben, die er neben seinem Bett aufgestapelt hat. „Und innen sind sie voller schwarzer Zeichen. Jedes einzelne davon! Nur die Firma Moleskine stellt merkwürdigerweise weiße Holzscheiben her.“ In mehreren Veranstaltungen wollen die Veranstalter in München die Möglichkeiten des neuen Mediums weiter untersuchen. „Wir setzen begabte Menschen auf ein Podium, wo sie mit weniger begabten Menschen, die unter ihnen sitzen, über ihre Lieblingsarten der Holzverwendung sprechen können“, so der Kurator.

„Um unser Vorhaben weiter bekanntzumachen, setzen wir sogar leuchtende Rechtecke ein, wie sie viele Menschen auf ihren Schreibtischen stehen haben“, sagt Politycki. Ob leuchtende Rechtecke und Holzscheiben in Zukunft eine fruchtbare Symbiose eingehen können, auch das will Politycki herausfinden. „Von meinem Freund Günter habe ich diesen dicken Block erhalten.“ Politycki will die schwarzen Spuren, die sich darin befinden, Stück für Stück in ein leuchtendes Rechteck übertragen, das er in der Hand hält. „Auf diese Weise lassen sich die Spuren leichter weitergeben. Bis November“, sagt Politycki starrt in sein leuchtendes Rechteck, „sollte ich auf jeden Fall damit fertig sein.“

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