forum:autoren vorgestellt (18): Nora Bossong im fabMUC-Interview

Nora Bosssong, Foto: © Kerstin Fischer

Stevan: Nora, Du veröffentlichst Prosa und Lyrik gleichermaßen, jeweils im Wechsel mit Deinen beiden Romanen Gegend (2006) und Webers Protokoll (2009) sind die Gedichtbände Reglose Jagd (2007) und Sommer vor den Mauern (2011) erschienen. Was schätzt Du jeweils an den beiden, unterschiedlichen Gattungen? Hilft die sehr konzentrierte Form der Lyrik bei der Romanarbeit? Bringt die Romanarbeit Ideen für die Lyrik?

Nora Bossong: Für mich ist ein Wechsel der Formen unerlässlich – um nicht in der einen oder anderen zu erstarren. Zudem sind Filme für mich ausgesprochen wichtig. Lars von Trier, David Lynch, P.P. Pasolini, um nur drei Regisseure zu nennen, deren Filme mich immer wieder faszinieren.

Mit Sommer vor den Mauern ist im Frühjahr Dein zweiter Gedichtband erschienen. „…ein Lesevergnügen der besonderen Art“ war der für Carola Wiemers vom Deutschlandradio Kultur und in der FAZ attestierte Wulf Segebrecht: „…Kunstsinn und Beobachtungsschärfe auf sagenhafte Weise.“, sprach von einer großen Entdeckung. In Deinen eigenen Worten: Was sind die Themen und Motive Deines neuen Gedichtbandes, was können die LeserInnen in Sommer vor den Mauern entdecken?

Der Leser trifft auf Päpste, Protestanten und aussterbende Arten. Er kann den Versuch eines Gottesbeweises miterleben, eine Flucht aus Arkadien und einen Spaziergang durch Bremen – was Besseres als den Tod findest du überall (so die Bremer Stadtmusikanten).

Immer mehr SchriftstellerInnen und Verlage setzten verstärkt auf mediale Onlinepräsenz durch personalisierte Homepages, Blogs und Social-Media-Kanäle. Du bist, bis auf einen Facebook-Account, im Internet persönlich wenig aktiv. Reiner Zufall, Zeitmangel oder absichtsvolles Statement?

Kein Statement, vielleicht eher eine Haltung ist, dass ich auf meinem Arbeits-Computer den Internet-Zugang deinstalliert habe. Ich sehe nicht, dass wir zwangsläufig unser komplettes Leben ins Netz verlagern müssen – und auch nicht, dass es keinen Unterschied zwischen online und offline geben wird. Man hat immer noch selbst die Wahl.

Gerade auch in der Lyrik finde ich es immer wieder spannend, über Vortrag und Tonlage des Dichters noch mehr über seine eigen Intention und Sichtweise auf seine Arbeit zu erfahren. Deine Lesungstermine und Auftritte sind ausgewählt. Welche Rolle spielen Lesungen in Deiner Arbeit?

Das ist unterschiedlich, je nachdem, ob es sich um Prosa- oder Lyriklesungen handelt. Ich selbst bevorzuge Lyriklesungen, da man dort dem Publikum eine Auswahl vollständiger Texte vortragen kann, beim Roman immer nur Ausschnitte eines Textes präsentiert. Zudem ist die Lyrik dem Mündlichen sehr nahe, während ich persönlich Romane lieber selber lese (Hörbücher sind ganz sicher nicht für mich erfunden worden). Bei Romanlesungen sehe ich die Diskussion im Vordergrund, allerdings verdrängen leider oft Fragen nach dem Autor die Fragen nach dem Text.

In München wirst Du zusammen mit Steffen Jacobs als eines von fünf „garantiert ungleichen Lyrikpaaren“ bei der Lyriklounge auftreten, Du wirst Backstage auf Münchner Schüler treffen und auch an einer Klartextdebatte zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur an der Uni teilnehmen. Worauf freust Du Dich besonders, was erwartet die Festivalbesucher, was erwartest Du Dir von München?

Ich freue mich auf die Mischung und auf gute Diskussionen.

Danke für Deine Zeit!

Nora Bossong

Nora Bosson, 1982 in Bremen geboren, studierte in Leipzig am Deutschen Literaturinstitut und an der Humboldt-Universität in Berlin Philosophie und Komparatistik. Sie veröffentlichte die Romane Gegend (2007) und Webers Protokoll (2009) und die Gedichtbände Reglose Jagd (2007) und Sommer vor den Mauern (2011).

Nora Bossong in München

Lyriklounge
Sonntag 13.11.2011 15.00 – 20:00 Uhr

Gute Gedichte. Sonst nichts.
In Zusammenarbeit mit dem Lyrik Kabinett und der Zeitschrift Das Gedicht.

Hellmuth Opitz und Fitzgerald Kusz
Steffen Jacobs und Nora Bossong
Dirk von Petersdorff und Fritz Eckenga
F.W. Bernstein und Ulrike A. Sandig
Thomas Rosenlöcher und Ulla Hahn
Matthias Politycki und Julia Westlake moderieren den spannenden Lyrik-Marathon.
Club Ampere im Muffatwerk
Eintritt 12,– / 9,–
Karten unter: 089 – 54 81 81 81
muenchenticket.de

Klartext
Montag, 14.11.2011, 16 Uhr

Mit Nora Bossong, Meike Feßmann, Ulla Hahn, Steffen Jacobs, Fitzgerald Kusz, Sibylle Lewitscharoff, Paul Nizon, Hellmuth Opitz, Thomas Rosenlöcher, Ulrike Almut Sandig, Hansjörg Schertenleib, Xochil Schütz, Christoph Siemes, Michael Stavaric, Dirk von Petersdorff
Moderation: Matthias Politycki und Prof. Friedrich Vollhardt
LMU Hauptgebäude, Raum F107, Eintritt frei
In Zusammenarbeit mit dem Institut für deutsche Philologie der LMU

2 Gedanken zu “forum:autoren vorgestellt (18): Nora Bossong im fabMUC-Interview

  1. die Texte werde ich mir mal anschauen.
    Noch habe ich leider nichts von Ihnen gelesen.
    Danach melde ich mich noch mal.

    Ulrich Grimm

  2. Pingback: Guten Morgen München! Der forum:autoren-Programmüberblick für 14.11.2011 | fabmuc

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