forum:autoren Musik (1): WEITER – Martine-Nicole Rojina (Marsmobil) und Oliver Wrage (La BrassBanda) im fabMUC Interview

WEITER heißt die neue Band von Marsmobil Sängerin Martine Nicole-Rojina und La BrassBanda Bassist Oliver Wrage, sowie Tom Jahn, Stefan Dittlein, Hannes Hajdukiewicz und Mathias Götz. WEITER werden am 18.11.2011 beim forum:autoren-Abend im Volkstheater ein musikalisches Gastspiel geben. fabMUC bat Martine-Nicole Rojina und Oliver Wrage vorab zum Interview.

Stevan: Oliver, mit La BrassBanda habt ihr bayerische Musikgeschichte geschrieben, habt Reggae, Rock, Mestizo, Funk und Balkanbeats mit bayerischer Blasmusik und dem New Orleans Brass zusammen gebracht und Euch auf umjubelten Touren ins gesamtdeutsche Gehör gespielt. Jetzt bist Du auch Mitglied der Band WEITER einer Formation aus La BrassBanda und Marsmobil mit der wunderbaren Sängerin Martine-Nicole Rojina. Martine, Oliver, wie seid ihr zusammengekommen, was waren Idee und Intention mit WEITER ein neues Musikprojekt zu starten?

Oliver Wrage: Was ist denn Mestizo? Na egal, Martine und ich haben uns auf einer Party kennenngelernt, mit einander gesprochen, gelacht, getanzt und Musik gehört. Das hat menschlich einfach sofort wunderbar funktioniert. Einige Tage später haben wir uns das erste Mal zum Musikmachen verabredet und siehe da: hat auch geklappt, so entstanden die ersten sechs Songs in zwei Wochen. Die Überlegung, eine ganze Band aus unserer Idee zu gründen kam auch schnell, und nach ein paar Anrufen stand WEITER in den Startlöchern.

Stevan: Ihr seid so neu, es gibt noch kaum was zu hören von Euch im Internet, zu lesen ist von „frischer, progressiver, tanzbarer deutschen Popmusik…zwischen Ska, Punk, Rock und bisweilen sogar Jazz“. Beschreib uns, wie klingen WEITER in Deinen eigenen Ohren und Worten? Und wie läuft die musikalische Arbeit im Musiker-Kollektiv aus Brassern und Jazzern?

Oliver Wrage: Naja frische, progressive, tanzbare deutsche Popmusik stammt ja von uns! Das trifft es sehr gut. Wir stehen ja noch am Anfang, stecken mitten in den Aufnahmen zum ersten Album, versuchen Strukturen zu schaffen, ein Team aufzubauen, eine Tour für nächstes Jahr zu organisieren. Zur zweiten Frage: Nachdem Martine und ich uns kennengelernt hatten, und uns ein paar Ideen vorgespielt hatten, war auf einmal der fixe Gedanke da, eine Pop-Band zu gründen. Ich bin also wieder nach Hause gefahren, und überlegte : „POP-Musik, das ist doch das Ding mit: Strophe/Refrain/Strophe/Refrain/was dazwischen/Refrain/Refrain…“. Und dann habe ich die ersten Songs komponiert, Martine hat bei sich die Texte geschrieben, sich die Melodien überlegt und eingesungen.

Stevan: Martine, beim Electro-TripHop-Projekt Marsmobil singst Du auf Englisch, Italienisch und Französisch. Bei WEITER sind es ausschließlich deutschsprachige Texte. Eine bewusste Entscheidung?

Martine-Nicole Rojina: Das war die logische Konsequenz, die sich aus dem Verlauf meines musikalischen und textlichen Lebens ergeben hat. Ich will verstanden werden, Inhalte und Bilder erzählen. Da Oli mich menschlich unmittelbar und intuitiv verstanden hat, habe ich bei WEITER den Mut, all die Masken fallen zu lassen, die ich tragen kann wenn ich mich in einer fremden Sprache ausdrücke. Ich singe ja auch davon Fassaden gebaut zu haben, die ich mit meinem jetzigen Bewusstsein nicht mehr mag und diese Haut abstreife.
Außerdem ist die deutsche Sprache wundervoll. All die Bilder, die ich malen kann, sind mir mittlerweile so ans Herz gewachsen, weil sie echt sind. Ich bin zwar zur Hälfte Slowenisch, aber hier geboren. Deutsch ist die Sprache in der ich denke, seit ich gelernt habe zu sprechen, mit Hilfe derer ich lange Zeit die Welt entdeckt habe, bis Englisch und Italienisch dazu kam. Dennoch wird Deutsch immer mein zu Hause sein, in anderen Sprachen bin ich gerne zu Besuch.

Stevan: Wovon erzählen Eure Lieder, was sind die Themen und wie entstehen die Texte? Was ist zuerst da, die Musik oder der Text?

Martine-Nicole Rojina: Das sind ja gleich mehrere Fragen auf einmal! Ok, das wird ein längerer Absatz! Puh, wenn ich die Frage nach dem “wovon” wirklich beantworten will, könnte ich glatt eine Biografie veröffentlichen, denn sie erzählen in Kurzform meinen derzeitigen Bewusstseinsstand, sie erzählen vom “jetzt”. Also meinem jetzt, so wie ich es empfinde und sehe, sowohl von Gefühlen als auch von der Welt wie sie sich mir gerade zeigt. Und gleichzeitig will ich darauf aufmerksam machen, aufmuntern und dem Hörer den Mut geben, sich selbst und seine Stärken zu entdecken. Ich bin ja auch immer noch auf dem Weg und ich freue mich und brauche es, dass mir ab und an gesagt wird: “Mach weiter so, glaub an dich!”. Zu den genauen Inhalten: Anhören, zuhören und fühlen.

Zur zweiten Frage: In der Regel kommt Oli mit einem neuen ganz rohen Layout an, also einer Art musikalischer Stimmungsvorlage, bestehend aus den wichtigsten Instrumenten, die dafür benötigt werden. Da ich sehr synästhetisch veranlagt bin, mache ich die Augen zu beim hören, sehe sofort ein Bild, höre eine Melodie und einen Rhythmus der Worte, bzw. der phonetischen Silben um genau zu sein. Dann gibt es den heiklen Moment der ersten geschriebenen Zeile, denn ich muss schnell genug Stift und Zettel parat haben um ihn aufzuschreiben. Das ist so geistesblitzartig, oder so wie wenn man einen tollen Traum hatte und nicht will, dass man ihn vergisst. Kaum hat man sich einen Café gemacht, ist er weg. Entweder erzähle ich Oli dann von der Welt, also dem Bild, die ich sehe und wir spinnen uns gemeinsam weitere Bausteine, oder ich bastele alleine vor mich hin und schicke ihm das Resultat. Er ist auf jeden Fall eine wichtige Instanz, segnet alle Texte ab und justiert an genau den richtigen Stellen.

Ich kann nicht immer und auf Knopfdruck schreiben, jeder Text ist eine kleine Geburt und ich ging vorher schwanger mit einem Gefühl oder einer Erkenntnis durch die Welt, was sich dann destilliert in einem Text manifestiert. Wenn mir gar nichts einfällt frage ich Oli nach einem “Reizwort”, wie in der Grundschule und schreibe eine Geschichte drum rum.

Stevan: Auch im November ist La BrassBanda wieder auf Tour und im Dezember bespielt ihr mal eben die Münchner Olympia Halle. Ihr nutzt eine kleine Tournee-Pause und tretet dankenswerter Weise am 18.11.2011 beim forum:autoren Diskussions-Abend zur Zukunft der deutschsprachigen Literatur, im Volkstheater mit WEITER auf. Fühlt ihr Euch wohl im literarischen Kontext? Erwartet die Besucher ein ähnlich dynamisches Konzerterlebnis wie wir es von La BrassBanda kennen?

Oliver Wrage: LaBrassBanda ist das Eine, WEITER was ganz Anderes. Die Zuschauer erwartet eine richtig gute Band, mit toller Musik und Texten die gerade im literarischen Kontext sehr gut wirken werden.

Martine-Nicole Rojina: ich fühle mich ehrlich gesagt geehrt, da ich Literatur liebe und meine Texte anscheinend innerhalb eines solchen Kontextes bestehen können! Ich bin gespannt auf die Autoren und den Abend und freue mich auf dieses Abenteuer.

Stevan: Danke für Eure Zeit!

WEITER sind:Martine-Nicole Rojina (Gesang), Tom Jahn (Tasteninstrumente), Stefan Dittlein (Schlagzeug), Oliver Wrage (Bass), Hannes Hajdukiewicz (E-Gitarre) und Mathias Götz (Posaune)

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Wie gehts weiter?
Freitag 18.11.2011 20:00 Uhr
Lesung und Diskussion
mit Jan Brandt, Kirsten Fuchs, Odile Kennel und Simon Urban
Musik: WEITER
Moderation: Maike Albath (freie Kritikerin) und Thomas Kretschmer (Bayern 2 / Zündfunk)
Volkstheater Foyer
Eintritt 12,– / 9,–
Karten unter: 089 – 54 81 81 81
muenchenticket.de

4 Gedanken zu “forum:autoren Musik (1): WEITER – Martine-Nicole Rojina (Marsmobil) und Oliver Wrage (La BrassBanda) im fabMUC Interview

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