forum:autoren vorgestellt (19): Hans Pleschinski im fabMUC-Interview

fabMUC: Herr Pleschinski: Sind Sie ein Dandy?

Pleschinski: Ich bin arbeitsam, um vergebens faul sein zu können. Ich beobachte aus Zurückgezogenheit gerne Menschen. Ich plädiere für Charme in allen Be­lan­gen und habe noch keine grauen Haare bekommen. Falls das Dandyis­mus ist, gehöre ich dazu.

fabMUC: Ein wunderbares mot von Ihnen lautet: „Ich möchte eine gewisse Festlichkeit und Lebensheiterkeit in die deutsche Literatur einbringen.“ Treffen sich Matthias Politycki, dem es im November auch besonders um die literarische Geselligkeit zu tun ist, und Hans Pleschinski da auf einer Wellenlänge?

Pleschinski: Wir kamen auf einer Woge daher geschwommen, der Lust am Erzählen, im Schaum dieses kräftigen Wellengangs werden wir bleiben.

fabMUC: Sie sind gebürtiger Flachländer, aber schon seit 20 Jahren Wahlmünchner. Wenn Sie die bayerische Hauptstadt und die niedersächsische Heimat jeweils ein klassisches Musikstück wären, welche beiden wären das?

Pleschinski: Für mein norddeutsches Gemüt gilt Luthers Choral Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen; aus Bayern füge ich ein paar Menuette vom Hof des Blauen Kurfürsten hinzu. Manchmal soll mich aber auch das Tannhäuser-Vorspiel ins Unendliche schleusen.

fabMUC: Noch einmal herzlichen Glückwunsch zum Ernst-Hoferichter-Preis, den Sie 2012 erhalten. War Ihnen der Namensgeber des Preises auch nicht bekannt?

Pleschinski: Versehentlich sagte ich einmal: Richthofen-Preis. Aber ich bin kein Flieger-Ass. Nun weiß ich genau um den publizistischen Weltmann Ernst Hofe­rich­ter und bleibe ihm für immer dankbar würdigend verbunden.

fabMUC: Ihr Essayband „Verbot der Nüchternheit“, in dem sich auch ein wunderbares Porträt des eher spröden Münchner Ostbahnhofs findet, wurde vom Feuilleton ungnädig aufgenommen, während Ihre Romane regelmäßig Begeisterung entfachen. Sind Sie besser im Erzählen als im Sinnieren?

Pleschinski: Gute Frage. Aber Romane sind bewegtes Sinnieren. Und das ist im Zeit­alter der action gefragt. Allerdings wurde gerade der stille Ostbahnhof drei, vier Mal nachgedruckt. Das überrascht und stellt zufrieden. Jedes Buch lebt anders.

fabMUC: Kann der Wunsch zu sterben lustig sein? Oder anders: Endet „Ludwigshöhe“ deshalb nicht in der völligen Katastrophe, weil der Autor Pleschinski seine Figuren ungern um die Ecke bringt?

Pleschinski: Nichts, was mit Tod zu tun hat, stimmt froh. Gerne lasse ich Roman­handlungen offen, denn die Welt ist nicht zuende, und es könnte eine Fortsetzung geben. (Auch das Schiff Brabant steht in Flammen, aber geht nicht unter.)

fabMUC: Und zum Schluss: Was möchte wohl „Helsinki-Schnaps“ sein und in welchem Verhältnis steht er zu Ihnen?

Pleschinski: Da bin ich überfragt. Es könnte jener Schluck sein, der vom Vollrausch ins Koma überführt. Ich bevorzuge Wein in glühender kretischer Sonne.

•••

Hans Pleschinski, geboren 1956, Literatur- und Theaterwissenschaftler, lebt als freier Autor in München. Er veröffentlichte zahlreiche Romane, etwa „Brabant“ (1995), „Bildnis eines Unsichtbaren“ (2002), „Leichtes Licht“ (2005) und „Ludwigshöhe“ (2008), eine Auswahl aus dem Briefwechsel zwischen Voltaire und Friedrich dem Großen, und gab die Briefe der Madame de Pompadour sowie Erzählungen von E.T.A. Hoffmann heraus. Bei C.H.Beck erschienen außerdem 1993 „Ostsucht. Eine Jugend im deutsch-deutschen Grenzland“ und 2007 „Verbot der Nüchternheit. Kleines Brevier für ein besseres Leben“.

Termine:

Freitag, 12.11.2011, 15-19 Uhr
4 Fragen an die deutsche Literatur
Mit Judith Kuckart, Norbert Gstrein, Hans Pleschinski, Tanja Dückers, Annette Pehnt, Josef Winkler, Dagmar Leupold und Martin Mosebach
Moderation: Christoph Bartmann (Goethe-Institut New York) und Silke Behl (Radio Bremen)
Literaturhaus Saal & Foyer
Eintritt 12,– / 9,–
Karten unter: 089 – 54 81 81 81 oder www.muenchenticket.de

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