“Die Welt ist eine Bühne mit Ausschank” – Katja Lange Müller und Andreas Maier

Lange-Müller, Wittstock, Maier
Katja Lange-Müller, Uwe Wittstock, Andreas Maier, Foto: (c) Juliana Krohn

Der Abend begann mit Musik aus den Lautsprechern der Literaturhaus-Bibliothek, KraftKlub sangen “Ich will nicht nach Berlin” (Video würden wir hier gerne zeigen,ist aber leider von der Plattenfirma aus YouTube entfernt worden um nur ja nicht für die Band zu werben) und dieser passenden Einstimmung zum Literaturgespräch “Ich bin doch (k)ein Berliner” folgten die Fragen von Journalist und Literaturkritiker Uwe Wittstock, ob man denn jetzt tatsächlich nicht mehr nach Berlin wolle oder müsse und ob Maiers Wetterau eine wirkliche Alternative sei und inwieweit oder fern Heimat und Herkunft das Werk eines Schriftstellers verorte.

Sehr zum Vergnügen des Publikums hatten die Gäste Katja Lange-Müller und Andreas Maier nicht die geringste Lust sich irgendwie verorten zu lassen, jeder Versuch einer literaturtheoretischen These zu Heimat, Stadt und Land und sämtliche Bemühungen des Moderators um die Feststellung von Parallelitäten zwischen den Gästen wurden von diesen achselzuckend zur Kenntnis genommen, korrigiert oder verneint. Dann legten die Beiden los. Das Publikum erlebte Katja Lange-Müller und Andreas Maier in Höchstform, ein rasanter, hochvergnüglicher Abend geprägt vom klugen, oft subtilen und manchmal charmant-brachialen Witz der Gäste.

Katja lange-Müller
Katja Lange-Müller, Foto: (c) Juliana Krohn

Katja Lange-Müller berichtete vom sich immer wieder wandelnden Berlin, einer Transit-Stadt, überlaufen von immer wieder neuen Um- und Aussteiger, deren letzter Zug den Sehnsuchtsbahnhof aber längst verlassen habe. Friedrichshain und Prenzlauerberg, Orte der Heimatflüchtigen, Ameisenstrassen voller Flat-Rate saufender Touristen. Katja Lange-Müller erinnerte an das Ur-Berlin, dass nur noch in Reinickendorf zu finden sei, sang das Hohelied auf das Modebewusstein plebejischer Berlinerin, las einen hinreissender Text über farbintensive Damen-Pullover mit Kätzchen-Applikationen, sie selbst besäße mehrere “Berliner-Pullover”, gestand Lange-Müller.

maier Andreas Maier, Foto: (c) Juliana Krohn

Mittlerweile war auch Andreas Maier im Saal angekommen, zunächst versunken in den Möglichkeiten seines “Trevor Howard”-Gedenkmantels und einer anderen Welt auf dem Fußboden der Bühne, begeisterte dann mit zwei Kolumnen aus seinem Buch Onkel J.-Heimatkunde, erklärte sich kapitulierend selbst zum Heimatdichter mit Bart (endlich sind wir alt!) und erfreute mit Erzählungen zwischen Ortsverbundenheit und Ortsumleitung, erklärte die eigene Entwurzelung durch einen Umzug von 35 (!) Kilometern und bedauerte höchst unterhaltsam seinen neuen Immigranten-Status.

Gemeinsam mit Katja Lange-Müller dann musikalisches 70er-Jahre-Erinnerungs-Ping-Pong, Karel Gott (Lange-Müller) versus Iwan Rebroff (Maier), ganz großes Anekdoten-Tennis auch, bei dem sich Uwe Wittstock als Linienrichter wacker, aber chancenlos, schlug:

Wittstock: “Jetzt, äh, fehlt mir hier doch so ein bißchen die Überleitung…”

Lange Müller: “Brauchnwernich.”

Abschließend wurde diskutiert ob die Bar eine Bühne, die Welt eine Kneipe oder die Kneipe ein Fernsehprogramm sei, das letzte Wort hatte Katja Lange-Müller: “Die Welt ist eine Bühne mit Ausschank”. Die beiden Schriftsteller schenkten dem Publikum im gut besuchten Saal kurzweilige 90 Minuten der überwiegend komischen Art, ein wunderbarer Abend der Funken schlug. Ich kenne und schätze Katja Lange-Müller sehr, ihre Literatur ist weit tiefgründiger und vielschichtiger als es der Abend vermittelt haben mag, ihr Roman Böse Schafe etwa, ist getragen von einer großen Zartheit und Traurigkeit gegen die am Ende nicht mal der Humor mehr etwas auszurichten vermag, ein großes Buch! Andreas Maier habe ich gestern erst, mit großem Gewinn, kennengelernt und ich freue mich darauf, seine Bücher zu entdecken.

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