Backstage: Die Lyrikerin Lydia Daher zu Besuch in der Beruflichen Oberschule Wasserburg

Jeden Vormittag besuchen zahlreiche Schriftstellerinnen und Schriftsteller im Rahmen des forum:autoren Formats Backstage Münchner Gymnasien um dort mit den SchülerInnen ins Gespräch zu kommen, zu lehren und zu lesen. Mechtild Storm-Propp von der beruflichen Oberschule Wasserburg schildert in einem Gastbeitrag den Besuch der Lyrikerin Lydia Daher:

Am Nachmittag in die Uni zur Debatte über die deutsche Gegenwartsliteratur oder doch lieber zur Lesung ins Literaturhaus am frühen oder späteren Abend? Liebhaber der deutschen Sprache und Gegenwartsliteratur werden in nächster Zeit vor schwere Entscheidungen gestellt, denn das von Kurator Matthias Politycki und seinem Team zusammengestellte Programm für das 2. Münchner Literaturfest bietet eine solche Fülle interessanter Veranstaltungen, dass einem nur die Qual der Wahl bleibt.

Für Schulen hatte man sich diesmal ein besonderes „Schmankerl“ ausgedacht. Rund 20 Oberstufen von Gymnasien und Beruflichen Oberschulen in und um München wurde die Möglichkeit eröffnet, sich um eine Patenschaft für einen der zum forum: autoren geladenen Schriftsteller zu bewerben, der bereit war, den Schülern an einem Vormittag Rede und Antwort zu stehen.

Diese Chance wollten sich zwei Klassen der Beruflichen Oberschule Wasserburg und ihre Deutschlehrerin nicht entgehen lassen. Unter dem Stichwort „Backstage“ konnte man sich ab dem 30.10. auf der Internetseite des Literaturfestes über die Autoren informieren, die sich für den Dialog mit den Klassen zur Verfügung gestellt hatten. Ein Großteil der fast 30 Schriftsteller hatte zudem eine repräsentative Auswahl ihrer Werke in einem Reader zusammengestellt, der als Gesprächsgrundlage zur Vorbereitung des Gesprächs herangezogen werden konnte.

Die Wahl der Klassen 12 Wa und 12 Sb fiel auf die junge Lyrikerin Lydia Daher, die ihre ersten literarischen Erfolge in der poetry-slam Szene zu verbuchen hat. Seither hat sie sich nicht nur als Lyrikerin, sondern auch als Songwriterin und Sängerin mit ihrer Band einen Namen gemacht.

Am letzten Freitag, dem 11.11.2011, war es soweit: Mit herzlichem Applaus begrüßten 50 Schülerinnen und Schüler, ihre Lehrerin und Oberstudiendirektor Schaller ihre ‚Favoritin’ Lydia Daher im Schulhaus. Die erste Stunde der Begegnung war den Fragen der Klassen zum Werdegang der Autorin und ihrer Arbeitsweise als Lyrikerin gewidmet. Neben ganz persönlichen Fragen („Waren Sie als Schülerin gut in Deutsch?“) kamen auch die Bedingungen literarischen Schreibens und lebenspraktische Aspekte („Wie kann man vom Schreiben leben?“) zur Sprache.

Das unpreziöse Auftreten und die offene und ehrliche Art, mit der Frau Daher Auskunft über ihr Leben und Arbeiten gab, sorgte schnell für eine vertrauensvolle Atmosphäre im Raum, was eine gute Voraussetzung für die weitere Gestaltung des Treffens bot. Zwischen den beiden Klassen sollte ein kleiner poetry-slam ausgetragen werden. Die Schülerinnen und Schüler erhielten gruppenweise den Auftrag, aus dem Sprachmaterial von vier Gedichten aus Lydia Dahers Gedichtband „Kein Tamtam für diesen Tag“ mit Hilfe von Schere und Kleber neue Gedichte zu ‚basteln’. Nach 30 Minuten emsigen Schneidens und Schiebens begann der Wettbewerb: 14 unterschiedliche Gedichte zu vier Themenbereichen wurden vorgetragen und mit heftigem Applaus bedacht.

Am Ende dieser drei sehr intensiven Unterrichtsstunden gab es eigentlich nur Gewinner: zufriedene Schüler, die zurecht stolz auf ihre eigene kreative Leistung waren, eine zufriedene Autorin, die erleben durfte, wie ihre Gedichte beim Publikum ankamen, und zufriedene Veranstalter, deren Dank in erster Linie der Autorin Lydia Daher für ihren Einsatz gilt, aber auch den Organisatoren des Literaturfestes, die diese Begegnung im Klassenzimmer ermöglicht haben.

Frau Stürmlinger, die sich als Kulturreferentin der Stadt Wasserburg in der Endphase des Besuches eingefunden hatte, war von der Veranstaltung so begeistert, dass sie Frau Daher gleich für einen weiteren Auftritt in Wasserburg zu gewinnen suchte, ein Wunsch, der auf offene Ohren traf. Wenn alles klappt, gibt es ein Wiedersehen mit Lydia Daher in Wasserburg im April 2012, dann aber an einem öffentlichen Veranstaltungsort, zu dem sie außer ihren Gedichten auch ihre Band mitbringen will. Wir freuen uns darauf!

Mechtild Storm-Propp

Schreibversuche und anderes zu Gedichten von Lydia Daher
Aus „Kein Tamtam für diesen Tag“

1. Zum Gedicht „tischgedanken zur krisensituation“
Sie sind zu Hause; im Hintergrund läuft die Tagesschau, während Sie mit einer banalen Tätigkeit des Alltags beschäftigt sind (Schuhe putzen, Ihre Schultasche packen oder, oder, oder). Werfen Sie spotlichthafte Beobachtungen auf beide Themenbereiche, die Sie abwechselnd (vielleicht auch mit inhaltlichen Verknüpfungen) wiedergeben.

Es ist mal wieder Krieg
ich kämpfe gegen den Schmutz an
meinen Schuhen

Teile von Toten liegen verteilt
viele Schmutzflecken auf meinen
Schuhen

Sie kämpfen für Gerechtigkeit, Freiheit,
ich kämpfe gegen den Schmutz
will Sauberkeit.

Doch nach diesem Krieg kommt der nächste
Morgen schon lauf ich wieder
durch den Schmutz.

Sinnlos kämpfen, sinnlos sterben,
sinnlos kämpfen, sinnlos putzen.

Müde schalte ich den Fernseher aus,
stelle die Schuhe schmutzig zurück ins
Regal.

Rebekka Bönisch, 12 Sb

2. Zum Gedicht „GEDICHTE GEGEN LANGEWEILE“
Schreiben Sie ein eigenes Gedicht mit Empfehlungen gegen die Langeweile.

Gedicht gegen Langeweile

Nimm zwei Kilo Berliner Luft,
gib einen Hauch Nächstenliebe hinzu
und verquirle das Ganze mit einer Prise
Schnee.
Gib Heimatgefühl und Fernweh zu
gleichen Teilen hinzu.
Schmecke die Masse mit etwas Atemkraft
ab und forme daraus Sterntaler.
Backe diese bei 15 ° C im Kühlschrank
und bestreue sie mit Feenstaub.

Daniela Rieger, 12 Wa

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