Hungrig in München (8): Taste the Magic Bus – auf Gasthaussuche mit der Linie 52

Sebastian Dickhaut lebt in München, ist kulinarischer Autor und Journalist, Foodfilmer und Wunderwürzer, Gastgeber und Erfinder. Der gelernte Koch arbeitete in exklusiven Restaurants und hat zahlreiche Kochbuchklassiker geschrieben, das bekannteste heißt BASIC COOKING, ist nun bei Band 20 angekommen und hat sich in 12 Sprachen millionenfach verkauft. In München betreibt Sebastian auch das HUKODI – dort schreibt er für Kochbuchverlage, Magazine, Food-Portale und seine Blogs, produziert Videos und hält Kochkurse. Außerdem finden im HUKODI Mittagstische und kulinarische Kulturabende statt. Für unsere Hungrig in München Reihe hat sich Sebastian was ganz besonderes ausgedacht- er nimmt uns mit auf eine kulinarische Busfahrt!

Der Herr November kann auch ein freundlicher sein. So hat er uns in der letzten Woche mit einer Handvoll wunderbarer Indian-Summer-Draußensitztagen beschenkt, dass wir uns tatsächlich nach dem Ende unserer ersten Fresstouretappe auf den Stufen zur Isar mit Tegernseer und Champagner gemütlich halten konnten. Champeau!

Doch so langsam kommt hier Literatenwetter auf, mit Kronleuchternebel und Saiblingsgeschrei inklusive. Wer jetzt kein Gasthaus hat, der sucht sich besser eins, und dafür ist die diesige Seite der Isar kein schlechtes Revier. Verlassen wir also die noch abgekühlten Sandsteinstufen und steigen hinauf in die Au, wie das Viertel hier heißt. Ein-, zweihundert Meter den Trambahnschienen folgen bis zur Haltestelle Mariahilfplatz, da stoßen dann auch wieder die im Bus Sitzengebliebenen zu uns. Gegenüber fängt die Paulaner Brauerei an und wenn man noch weiter aufsteigen würde zum Hochufer, käme man auf den Nockherberg oder besser zur Nockherberg, ein wirklich sehr gutbürgerliches Wirtshaus.

Ganz tief drinnen in München

Doch wir wollen es ganz normal bürgerlich und gehen deswegen ins Landratsamt. Johanna Rumschöttel heißt die Landrätin Münchens und sie ist hier in der Stadt in etwa genauso bekannnt wie der Vorsitzende des Bodenverbands Schwalm-Eder. Ob der aber einen ähnlich verwunschenen Amtssitz hat, bezweifle ich. Vorne der Kirchplatz, auf dem mehrfach im Jahr Dult ist (eine Art Kirchweihmarkt), hinten die Brauerei und dazwischen die Reste des Paulanerklosters, in die das Landratsamt hineingebaut ist. Kann es einen besseren Platz für ein Wirtshaus geben?

Cafeterasse im Landratsamt

Aber wenn man unter dem Sixties-Büroriegel hindurch in den Innenhof tritt, tut sich erst mal ein kleiner Paradiesgarten auf mit alten bunten Bäumen und fast japanischer Stille. In dessen Mitte scheint dann auch ein Teehaus zu warten, doch das ist nun die Kantine des Landratsamtes. Durch eine Seitentür geht’s hinein, die netten Köche schicken einen erst mal eine meerblaue Treppe hinauf, Gästekarte ziehen. Mit der kriegt man dann Scholle mit Reis und Paprikagemüse für 3 Euro und den Blick über Buchenholzmöbel mit Landratsbeamten darauf. Mehr München von innen und außen zugleich geht kaum. Frische Luft gibt es wieder eine Etage höher auf der schönen Kaffeeterrasse – wenn es zu kühl dafür ist, einfach von hier aus durchs Amt streifen, Kreuzgewölbe, Fresken, Gummibaumdschungel, alles da.


Gummibaum-Dschungel im Landratsamt

Vom Wirtshaus zum Gasthaus

Aber irgendwann müssen wir auch wieder raus ins wahre Leben und hinein in den Bus. Das nächsten Abenteuer wartet nämlich schon am Halt “Taubenstraße” – das Seniorencafe des Entenbachstifts und das Wirtshaus zum Alten Kreuz. Wer jetzt meint, das wäre doch dasselbe, nur einmal nett und einmal brachial benannt, kriegt einen Bonuspunkt.


Wirtshaus zum alten Kreuz

Im Entenbach heißt man uns herzlich willkommen, schon mal unseren Lebensnachmittag zu betrachten, woraufhin wir dann doch über die Straße zum Alten Kreuz wechseln, wo einem das gute Münchner Augustiner ins Glas geschüttet und einem ein Schnitzel hingestellt wird, das so gut wie günstig ist ; viele der Zutaten werden regional eingekauft. Die Wirtin domptiert hier mit Verve ein eher männliches aufgeklärtes Mittelalter an Gästen, die sich beim Fußballschauen, Kartenspielen und Weltbesprechen weit mehr entspannen als in diesen ganz jungen oder sehr alten Wirtshäusern der Stadt. Am Wochenende stößt auch Familie dazu, wie es sich gehört.


Österia

Ganz spät an manchem Abend kann man hier eine gelassen sympathische Crew an der Theke entdecken, die bei einem Absacker erstaunlich viel übers Essen redet. Das ist das Team von der nahen Österia ums Eck, deren einfallsreiche Küche, wunderbare Weinauswahl und angenehm elegante Kaffeehaus-Atmosphäre ja schon hier gewürdigt wurde. Ein guter Platz, um darüber nachzudenken, warum man in Bayern Wirtshaus sagt und in Österreich Gasthaus…

Mit diesem Gedanken zur Nacht wollen wir die Kurzstreckenfahrt für heute beenden und in die Nacht hinaustreten. Guten Morgen ist ja auch noch ein Tag und mit dem werden wir im dritten und letzten Teil unserer Tour nach Untergiesing starten, Bis dahin.

Ausstieg Mariahilfplatz

Kantine im Landratsamt
Cafeteria Mo-Fr 7.30-10.30 Uhr
Casino Mo-Do 11.20-13.30 Uhr, Fr 11.20-13 Uhr
Mariahilfplatz 17
089/6221-0
www.landkreis-muenchen.de

Ausstieg Taubenstraße

Wirtshaus zum Alten Kreuz
Mo-Sa 18-1 Uhr, So 17-1 Uhr
Falkenstr. 23
089/65308091

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