Neue deutschsprachige Lyrik (2): Andreas Schumacher

fabMUC veröffentlicht in den nächsten Wochen ausgewählte Gedichte von entdeckenswerten Autorinnen und Autoren. Heute empfiehlt Lino komische Lyrik von Andreas Schumacher.

Herr Trutz

Herr Trutz bereitet andern Leuten
gerne kleine Alltagsfreuden.

Zum Beispiel morgens schon beim Bäcker
sagt er: „Das Croissant war lecker.
So luftig-leicht wie ein van Gogh –
Grüßen Sie von mir den Koch!“

Oder sieht er beim Discounter
was im Angebot, dann staunt er,
und legt es, ohne Dank fürs Tragen,
fremden Leuten in den Wagen.

Fehlen wem, den er nicht kennt,
mal an der Kasse drei, vier Cent,
so springt er gerne rettend ein,
und hilft mit einem Spielgeldschein.

Ist ein Parkplatz vollbesetzt,
geht er rum, verkündend: „Jetzt,
es gilt ja schließlich: panta rhei,
wird sicher bald ein Plätzchen frei.“

Stellt ihm seine Pflegerin
am Abend was zum Essen hin,
dann spricht er immer ein Bonmot,
und fasst ihr manchmal an den Po.

So bereitet Trutz den Leuten
gerne kleine Alltagsfreuden.

Andreas Schumacher, *1981 in Bietigheim-Bissingen, studierte Germanistik und Anglistik in Stuttgart. Heute lebt er in Walheim. 2007 veröffentlichte er den Gedichtband „Herr der Möhren“ in der Reihe Poesie 21. Danach weitere Veröffentlichungen von Geschichten und Gedichten in Zeitschriften und Anthologien. 2010 gewann er den Lyrikpreis Hochstadter Stier.

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