Neue deutschsprachige Lyrik (3): Lothar Thiel

fabMUC veröffentlicht in den nächsten Wochen ausgewählte Gedichte von entdeckenswerten Autorinnen und Autoren. Heute empfiehlt Kurator Matthias Politycki Lyrik von Lothar Thiel.

die darmstädter symphoniker spielen auf
—aus den pforzheimer elegien—

komm mit ins große furzorchesterhaus!
der zwiebelhans spielt zärtlich die trompete:
nie inniger ein bläserklang verwehte,
denn hans holt stets das innerste heraus.

doch lausche auch der herrlichen posaune,
die, sauerkrautbetrieben, laut ertönt.
genial, wie dieser groove das ohr verwöhnt;
er bringt uns alle in champagnerlaune.

kennst du den echten handkäs mit musik?
er ist des paukenschlägers munt’re quelle.
die streicher – darmbesaitet – steh’n bereit

ihr pizzicato knattert walzerglück. –
nun spür ich selbst die kreative welle.
her mit der tuba! es ist höchste zeit!

Lothar Thiel, * 1953 in Schorndorf (Baden-Württemberg), schrieb 1963 sein erstes Gedicht, studierte trotzdem Geschichte, Deutsche Philologie und Sozialkunde in München, verfasste 1975 sein zweites Gedicht und 1992 das dritte. Arbeitet/e als Lehrer in München, Toulouse und Bilbao, wo er derzeit lebt. Buchveröffentlichung (in Vorbereitung): „zuletzt spricht der fasan“. Lothar Thiels Website.

2 Gedanken zu “Neue deutschsprachige Lyrik (3): Lothar Thiel

  1. Lieber in Pforzheim geborener Lino,
    danke für den Hinweis auf dieses kongeniale Opus, welches einmal mehr zeigt, dass es für die Harmonie eines Orchesters überhaupt nicht maßgeblich ist, was da so herausklingt, sondern dass alles irgendwie zusammenpasst.

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