Neue deutschsprachige Lyrik (9): Lothar Thiel

fabMUC veröffentlicht in den nächsten Wochen ausgewählte Gedichte von entdeckenswerten Autorinnen und Autoren. Heute empfiehlt Kurator Matthias Politycki  Lyrik von Lothar Thiel.

traum von einem essen

mir war als schrieb’ ich ein gedicht
als fräß’ ein zebra schwalben
als flög’ zu mir ein mondgesicht
erinnernd mich an meine pflicht

die katze einzusalben
mir war als reimt’ ich vor mich hin
die katze läg’ gebraten
zu füßen einer inderin

die rieb’ genüsslich sich das kinn
bereit zu leibestaten
mir war als schlösse nun mein lied

als spränge fort das mädchen
die katze höb’ ihr augenlid
das zebra schiene ihr morbid

und ich zerriss’ ein fädchen

Lothar Thiel, * 1953 in Schorndorf (Baden-Württemberg), schrieb 1963 sein erstes Gedicht, studierte trotzdem Geschichte, Deutsche Philologie und Sozialkunde in München, verfasste 1975 sein zweites Gedicht und 1992 das dritte. Arbeitet/e als Lehrer in München, Toulouse und Bilbao, wo er derzeit lebt. Buchveröffentlichung (in Vorbereitung): „zuletzt spricht der fasan“. Lothar Thiels Website.

2 Gedanken zu “Neue deutschsprachige Lyrik (9): Lothar Thiel

  1. mir war als läs´ ich ein gedicht
    von christian morgenstern
    vielleicht liest man ja bald schon
    den thiel genauso gern…
    Morgenstern, Ringelnatz, Gernhardt, Thiel – why not? Ich finde, schon die ersten fünf Zeilen eignen sich zum Klassiker, da kann man viel Spaß dran haben!

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