Neue deutschsprachige Lyrik (16): Annette Hagemann

fabMUC veröffentlicht in den nächsten Wochen ausgewählte Gedichte von entdeckenswerten Autorinnen und Autoren. Heute empfiehlt Kurator Matthias Politycki die Lyrik von Annette Hagemann.

darf ich vorstellen: meine muße

wenn ich nachher zuhause
in meinem bett auf dem bauch liege
mein gesicht ans kissen drücke
und einfach warte still verharre
bis die maus in meinem kopf
sich traut aus ihrem loch zu lugen
und dann loshuscht um die
gegend zu erkunden

dann kommt mein besuch:
charlie chaplin in seinem oldtimer
die grinsekatze mit qualmzubehör
ein pavian mit weißen indianerstreifen im gesicht
und es kommt eine zierliche kellnerin die bringt
auf einem silbertablett eine schuhschachtel
herbei in die jeder der möchte
seinen kopf hineinhält

und das tolle mein freund ist:
solange du den kopf in der schachtel behälst
bist du zeitlos zum beispiel hast du mindestens
drei monate ferien am stück in der provence
wo es nichts zu tun gibt außer herumzustreifen
und sich im sommergewürzten im warmen
und wohlgesonnenen gestrüpp
die beine zu zerkratzen

Annette Hagemann, * 1967 in Münster, studierte Germanistik und Ethnologie in Göttingen. Nach dem Magisterabschluss folgte eine halbjährige Reise durch Südasien, danach war sie als freie Journalistin und Museumspädagogin in Hannover aktiv und arbeitet seit 2001 im dortigen Literaturhaus. 2009 erschien ihr erster Gedichtband „streit mit dem sonnengott“ im Wehrhahn-Verlag, im selben Jahr erhielt sie das Literatur-Arbeitsstipendium des Landes Niedersachsen.

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