forum:autoren vorgestellt (6): Bestes Böttcherhandwerk

Bild: Tobias Bohm

„Ich will die Texte frisch haben“, sagt er. „Am besten direkt aus dem Kopf des Poeten.“
Der Mann, der solche Kühlschrankpoesie fordert, kann sich Sprüche mit Unbedingtheitsklausel leisten, schließlich steht sein Name in der  deutschsprachigen Gegenwartliteratur seit Jahren fast synonym für die lebendigen Kulturen von Spoken Word, Poetry Slam und Lesebühne: Bas Böttcher.

Geboren in Bremen, in Weimar zum Mediengestalter geschleift, wovon nicht zuletzt sein 1998er-Looppool Zeugnis ablegt, ein digitales Rapoesie-Experiment, das Enzensbergers Poesieautomaten (zumindest in Puncto Coolness) locker in den Schatten stellt.
Als er 2000, wohin sonst, an die Spree zieht, beschäftigt sich Bas schon seit zehn Jahren mit Raplyrik, Beats und gehobener Wortakrobatik, hat aber auch die Langgedichtschulungen eines Höllerer abgesessen.
Ein Auftritt bei Harald Schmidt macht ihn endlich dem Feuilleton und damit dem Literaturbetrieb schmackhaft.
Kurz darauf erscheint sein Roman „Megaherz“, der die Geschichte eines jungen DJs mit dem sympathischen Namen Linus erzählt. Das Buch bleibt bei der Kritik, die gerade noch dabei ist, die Popliteratur aufzuholen, zwar unverstanden, wird bei der Leserschaft aber umso besser aufgenommen (hier erfolgt, im Sinne der Leser- und Autorenpflege, der obligate antiquarische Hinweis).

Besonders in den lyrischen Passagen des Romans wird deutlich, wo Bas‘ Stärken liegen: im Schallraum zwischen Zunge und Ohr. Wer einen seiner Auftritte erlebt hat, wer einmal staunend unter den Kopfhörern der Textbox saß, die Tieftöner Bas erfunden hat, jene „phonozentrische Kultstätte“ (Süddeutsche Zeitung) aus Stahlstangen, Kunststoffplatten und Acrylglas, der weiß, dass Bas‘ Poesie auf vollphonetische Überrumpelung angelegt ist, was Geschwindigkeit, Assonanzdichte und Gedankenranken angeht. Was Wunder, dass die Textbox ihre Wände bald auf den Buchmessen in Frankfurt, Basel, Peking, Leipzig und im Centre Pompidou aufschlug.

Regelmäßig gibt Bas sein Rapertoire auch in Form von intrikaten Texttricks an den Nachwuchs weiter. Wer einen seiner Workshops besucht, lernt dort zum Beispiel, wie man einen elektronischen Duden so aufmotzt, dass er klanghartes Material ausgibt: „Abrakadabra, ihr Dalai-Lamas aus Alabama, ihr Brahmanen von den Bahamas und Armadas von Barbaras auf Alpakas aus Ankara und von der Alhambra, ran ans Charakterdrama, ihr Mangaavatare von der Alma Mater“, so singen es Böttcher-Schüler mittlerweile in ganz Deutschland ad infinitum. So nimmt es kaum Wunder, dass der jüngste Pixel im Gesamtbild Böttcher ein Schulbuch war.

Zuvor erschienen mit „Neonomade” und „Dies ist kein Konzert“ (schwer vergriffen) zwei bemerkenswerte Bühnenbücher mit Lyrik zum Lesen und Lauschen.
„Meine Texte betrachte ich als sinnliche Ereignisse“, sagt Bas. „Sie finden auf Lesebühnen, im Fernsehen, in Literaturhäusern, in Diskotheken, in Bibliotheken, in Büchern, auf Festivals und auf CD statt.“
Und natürlich auf dem Münchner Literaturfest. Wir freuen uns auf Dich.

Termine

Samstag, 12.11.2011, 20 Uhr
Literaturfestfest. Gute Gedichte. Und mehr.
Mit Bas Böttcher, Lydia Daher, Alex Dreppec, Michael Lentz, Albert Ostermaier, Xóchil A. Schütz und der SZ-Band Deadline
Moderation: Matthias Politycki und Julia Westlake (NDR)
In Zusammenarbeit mit dem Lyrik Kabinett und der Zeitschrift DAS GEDICHT
Ort: Muffathalle, Eintritt: 12,– € / 9,– €
Karten unter: 089 – 54 81 81 81 oder www.muenchenticket.de

Freitag, 11.11.2011, 16 Uhr
Klartext
Mit Christoph Bartmann, Silke Behl, F.W. Bernstein, Bas Böttcher, Lydia Daher, Alex Dreppec, Norbert Gstrein, Felicitas Hoppe, Wend Kässens, Katja Lange-Müller, Michael Lentz, Jörg Magenau, Andreas Maier, Julia Westlake.
Moderation: Matthias Politycki und Prof. Sven Hanuschek
Ort: LMU Hauptgebäude, Raum F107, Eintritt frei
In Zusammenarbeit mit dem Institut für deutsche Philologie der LMU

4 Gedanken zu “forum:autoren vorgestellt (6): Bestes Böttcherhandwerk

  1. Pingback: Verlosung: 3 x 2 Karten fürs Literaturfestfest am Samstagabend | fabmuc

  2. Pingback: Feste gefeiert: das Literatufestfest | fabmuc

  3. Pingback: forum:autoren-Formate vorgestellt (5): Literaturfestfest | fabmuc

  4. Pingback: fabMUC.de: Zweite Postings | Lino Wirag

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


+ 5 = zehn

* Copy This Password *

* Type Or Paste Password Here *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>