Neue deutschsprachige Lyrik (21): Andreas Schumacher

fabMUC veröffentlicht in den nächsten Wochen ausgewählte Gedichte von entdeckenswerten Autorinnen und Autoren. Heute empfiehlt fabMUCer Lino Wirag erneut komische Lyrik von Andreas Schumacher.

Gebrauchsgedicht für Zivis
nach Charles Baudelaire

Hin und wieder folge ich den kalten Alten,
wenn sie glauben, Sonne tue ihnen gut,
lasse mich von ihren Grillen unterhalten,
selbst neben der Kappe und nicht auf der Hut.

Einmal hatte eine keine Schuhe an,
eine Gabel noch vom Frühstück in der Hand.
Langsam, stetig, schleppte sie sich Richtung S-Bahn,
ritzte wüste Männlein dort in eine Wand.

Einmal schlich sich einer in das Badezimmer,
als ich rauchend in den lauen Lüften hing,
und ein Umstand machte dies Vergehen schlimmer:
dass er über meine schwachen Nerven ging.

Mehrmals musste Kruste ich vom Schwarzbrot schneiden,
weil sie innerlich davon ansonst verbrannten.
Diesen Teil von meiner Arbeit mag ich leiden,
denn ich deale dann mit diesen trocknen Kanten.

Einer ächzte, ob ich die Tablette hätte.
Es gelang mir, sie am Bahnhof aufzutreiben.
Später aber dann an dieser Opferstätte
bat er mich, ich solle bis zum Abend bleiben.

Website von Andreas Schumacher

Ein Gedanke zu “Neue deutschsprachige Lyrik (21): Andreas Schumacher

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