Neue deutschsprachige Lyrik (28): Klaus C. Zehrer

fabMUC veröffentlicht in den nächsten Wochen ausgewählte Gedichte von entdeckenswerten Autorinnen und Autoren. Heute empfehlen die fabMUCer Paul und Wirag kritisch-komische Lyrik von Klaus Cäsar Zehrer.

Sechs Kurzrezensionen

Immanuel Kant: Kritik der Urteilskraft
Ich halt den Kant in meiner Hand
und klage Ach und Wehe.
Und warum mach ich solchen Krach?
Weil ich kein Wort verstehe.

Max Frisch: Andorra
Nun liegt der Frisch auf meinem Tisch.
Ich kann nicht Beifall klatschen:
Sein Stil erreicht, wenn man’s vergleicht,
nicht ganz den dürrenmattschen.

Thomas Mann: Der Zauberberg
Der Zauberberg? Ein Meisterwerk!
Ein Fest! Ein Leckerbissen!
Grandios! Genial! Phänomenal!
Ich werd’s mal lesen müssen.

Homer: Odyssee
Na gut, o.k., die „Odyssee“
hat auch gewisse Stärken;
doch so ein Vierzeiler von mir
lässt sich viel leichter merken.

Das Neue Testament
Jungfrau mit Kind. Ein Sohn, der spinnt.
Er stirbt, dann lebt er wieder.
Ein irrer Gott, ein wirrer Plot -
das wird ein Ladenhüter.

Der Koran
Tja, der Koran, mein lieber Schwan,
wie soll ich ihn beschreiben,
ist vom Niveau, ich sach ma so …
ach nö, ich lass es bleiben.

Klaus Cäsar Zehrer, geboren 1969 in Schwabach (Mittelfranken), studierte Angewandte Kulturwissenschaften in Lüneburg. 2002 Promotion in Bremen mit der Dissertation “Dialektik der Satire” zu Robert Gernhardt. Lebt als freier Autor in Berlin. Zuletzt erschien: Der Kackofant (zusammen mit dem Comiczeichner FIL).

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