Neue deutschsprachige Lyrik (8): Alexander Gumz

fabMUC veröffentlicht in den nächsten Wochen ausgewählte Gedichte von entdeckenswerten Autorinnen und Autoren. Heute empfiehlt fabMUCer Lino Wirag Lyrik von Alexander Gumz.

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CONTAINER AUS UMGEBUNG

ich bin nicht mit meinem sohn in venedig,
so viel ist klar. ich hocke in einem loch
aus metall, das dröhnt jedes mal,
wenn die flut an meinen beinen zieht.

ich bin dünnes papier, knistere
in der dunkelheit. mein sohn verschwindet
hinter den dünen, ein bündel linien,
nur wenig heller.

unsere gondel hat sich verfahren. das gras
biegt sich, tanzt durch den container
der umgebung. etwas kommt von der küste
herüber. strandbären vielleicht

oder die geister der hafenarbeiter. liedanfänge
schlingern im wind, klingen kaum mehr
italienisch. immer wieder, im chor.
trotzdem unverständlich.

ein stapel ansichtskarten, halb von sand bedeckt,
mit dickem filzer übermalt. mein sohn
könnte sie lesen. er könnte die türme darauf
in stelzen verwandeln.

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Alexander Gumz, geboren 1974 in Berlin, wo er auch lebt, studierte Germanistik und Philosophie. Gumz ist Redakteur und Literaturveranstalter beim Texttonlabel KOOK und für das “poesiefestival berlin”, Mitbegründer des Festivals “LAN. Drei Tage junge Literatur und Musik” und der langen Literatur- und Musiknacht “HAM.LIT”. Er veröffentlichte Gedichte und Nachdichtungen in Zeitschriften und Anthologien, erhielt Preise und Stipendien. Sein erster Gedichtband, »ausrücken mit modellen« (aus dem auch der hier veröffentliche Auszug stammt) ist im Frühjahr 2011 bei kookbooks erschienen. Foto: Katja Zimmermann

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