Autoren-Portraits: Ringfahndung statt Lyrikreigen

fab:MUC Gäste sind selbstredend die Ausnahme, was einem aber ansonsten so unterkommt, an Schriftsteller-Portraits, Cover- und Presse-Fotos, straft jeden werblichen Aspekt Lüge und führt allermeist direkt in die Geschmackshölle. Für sein Aussehen kann niemand was, das ist ein Gottesgeschenk, an der Außenwirkung ließe sich aber in den allermeisten Fällen noch was machen. Das Gegenteil ist leider oft der Fall, ist der Fotograf erstmal fertig mit dem Schriftsteller, kann dieser jede Hoffnung fahren lassen, noch ein Buch zu verkaufen. Mit dem Gesicht!

SchriftstellerInnen, die dies alles für ein kurzlodriges Fegefeuer der Eitelkeit halten, wählen zur Bebilderung von Pressemeldungen und Auftrittsankündigungen gerne die hausgemachte Variante: einfach den eigenen Kopf und Rumpf aus einem Urlaubsfoto herausgeschnitten, rechts ragt noch ein Stück Arm des Lebensabschnittsbegleiters ins Bild, hinten langweilt sich unscharf die Ostsee. Fertig. Das wird zwar leider nie gedruckt, aber man hat es hinter sich und die Leute sollen ja wegen der Poesie zur nächsten Lesung finden und nicht wegen des Pos. „Privat“ steht da als Fotovermerk unter jenen Bildern, die oft an die ganz dunklen Zeiten der BRD denken lassen, an die Fahndungsplakate des Deutschen Herbst, Ringfahndung statt Lyrikreigen.

Wer die Fotonummer ambitionierter angeht, bucht einen Fotografen. Zahlt bestenfalls der Verlag, der das teure Bildchen später hütet wird wie einen Augapfel. Herausgabe nur nach schriftlicher Anfrage mit beigelegter Personalausweiskopie – wäre ja noch schöner wenn sich da jeder hergelaufene Pressefritze, Literaturblogger und Lesungsveranstalter einfach so…die einstige Intention zur Fertigung der Portraits, wird sofort nach Eintreffen der Fotografenrechnung vergessen, fürderhin gilt es den verlagseigenen Schatz streng vor Öffentlichkeit und potentiellen LeserInnen zu schützten.

Doch auch professionell erstellte Autoren-Portraits sind mitunter keine Augenweide. Denn: wie bedeutungsschwer kann man einen Schriftsteller in Position und ins rechte Licht rücken? Wie schmeichelt man während des Shootings der Eitelkeit des Porträtierten? Die Ergebnisse solcher Überlegungen sind meist griesgrämig- den Blick schon bedeutungsschwanger ins Jenseits gerichtete- Autoren, die aus unerfindlichen Gründen stets den inhaltsschweren Kopf auf die zur Faust geballte Hand stützen müssen. In diesem Zusammenhang auch beliebt: die Variation „Pommesgabel“- Daumen und Zeigefinger rahmen Kinn und Wange.

Junge Autorinnen werden gerne mit etwas Weichzeichner verklärt, der Silberblick zwingt insbesondere männliche Journalisten meist zum sofortigen Lesungsbesuch, plus Abdruck des Fotos unter einer hymnischen Nachbesprechung. Drunter steht dann leider immer so was wie: „Das Fräuleinwunder der neuen deutschen Literatur begeisterte das Publikum im gemütlich hergerichteten Hinterstübchen des Café „Backwahn“.

Seit es im Internet das gemütlich hergerichtete Hinterstübchen „Social Media“ gibt, haben SchriftstellerInnen das Problem der Selbstdarstellung nicht mehr für sich alleine, im Internet ist jeder ein Künstler („I´m a legend in my sparetime!“) und um in den zahlreichen Communities, Foren und Blogs auch immer wieder gefunden zu werden, braucht es: ein Profil-Bild! Immer öfter sind seitdem misslungene Autor-Fotos das kleinere Problem.

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