forum:autoren vorgestellt (13): Die anspruchsvollen Zauberkunststücke der Frau Hoppe

Am Freitag, 11.11.2011, kommt Felicitas Hoppe (Foto: Jürgen Bauer) nach München.
Für die Berliner Autorin, deren Erzählungen und Romane – darunter Picknick der Friseure, Pigafetta, Verbrecher und Versager, Johanna und Paradiese, Übersee – von der Literaturkritik gefeiert werden, sind Bücher „wie Brot“. Hoppe ist Trägerin zahlreicher Literaturpreise und bekleidete Poetikdozenturen und Gastprofessuren auf der ganzen Welt.
Die Germanistin Friederike Schanz schrieb im vergangenen Jahr ihre Abschlussarbeit zur „Bedeutung von Felicitas Hoppes Werk für die Gegenwartsliteratur“. Für fabMUC hat Sie uns einige Fragen zu ‚ihrer‘ Autorin beantwortet.

•••

fabMUC: Warum haben Sie sich in das Unternehmen „Hoppeforschung“, wie Sie es nennen, gestürzt? Was ist an dieser Autorin so faszinierend?

Schanz: Hoppes Art zu Erzählen ist einzigartig in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur: Es ist komisch, wunderlich, surreal, grotesk, phantastisch, skurril, rätselhaft; und doch zugleich fesselnd und mitreißend.
Ihre Texte enttäuschen gewollt Leseerwartungen, weichen absichtlich von verbreiteten Handlungsmustern ab, stiften mit Freude Verwirrung, reproduzieren bedenkenlos  existierende Texte, entziehen sich gekonnt der Genrefrage, spielen kokett mit der Sprache, reflektieren selbstbewusst das Erzählen beim Erzählen und lassen ihrer Phantasie freien Lauf, ohne dass der Sinn kippt oder die Lust am Lesen vergeht.
Genau dieses Changieren zwischen Sinnverweigerung und Sinnstiftung hat mich gereizt.

fabMUC: Sie haben behauptet, Felicitas Hoppes Texte seien „hauptsächlich für Literaturwissenschaftler“ geschrieben. Im Ernst?

Schanz: Hoppes Texte können selbst für den geübten Leser zu einer mühsamen Lektüre werden. Es ist teilweise schwierig, der Handlung zu folgen oder Erzähltes dingfest zu machen. Zwar lassen sie sich überwiegend als Träumereien, Phantasiegeschichten und Kopfreisen lesen, doch wirklich Freude am Lesen hat nur, wer die Komik, die Ironie und den Humor zwischen den Zeilen zu spüren vermag.
Erst durch das Aufdecken der Fülle von Anspielungen und Verweisen auf literarische Texte, Motive und Stoffe, das Verstehen ihres Erzählkonzeptes, das aus der Abgrenzung zu bereits Existierenden besteht, und das Ausschalten der Alltagslogik in ihrer Textwelt ist die Lektüre ein voller Genuss.

fabMUC: Eine der Annahmen Ihrer Arbeit lautet, dass Felicitas Hoppe postmodern erzähle, ein Thema, das sich in den letzten Jahren offensichtlich einer gewissen Resonanz erfreut.
Sie aber arbeiten anschließend die These heraus, dass Hoppes Bücher auch von der Postmoderne erzählen, deren Merkmale dort überspitzt dargestellt und ins Lächerliche gezogen werden.
Was ist denn Felicitas Hoppe nun für eine Autorin?

Schanz: Man kommt als Literaturwissenschaftler nicht umhin, Hoppes Werk vor dem Hintergrund postmoderner Kulturtheorien zu lesen. Doch das Aufheben eines vernünftigen Sinnzentrums und das Eröffnen einer neuen Welt des Nicht-Sinns erscheint in ihren Texten geradezu künstlich herbeigeführt und arrangiert.
Felicitas Hoppes Erzählwerk gibt vielmehr eine Antwort auf die oft gestellt Frage: Was kommt nach der Postmoderne? Felicitas Hoppe ist also eine postpostmoderne Autorin (wenn es so etwas gibt).

fabMUC: In München hat jeder Gelegenheit, Frau Hoppe am Freitagabend im „Salon der lebenden Schriftsteller“ persönlich kennenzulernen: Eine Gelegenheit, die man wahrnehmen sollte?

Schanz: Auf jeden Fall!

fabMUC: Und Ihr persönlicher Lieblingshoppe?

Schanz: Paradiese, Übersee – so viel sinnvoller Unsinn in einem Buch gebündelt, gekreuzt und vermischt. In diesem Roman fühle mich geborgen und zu Hause.

•••

Felicitas Hoppe beim forum:autoren

Freitag, 11.11.2011, 18.30 Uhr
Vorabend. Flucht in die Fremde
Lesung und Diskussion
Mit Felicitas Hoppe und Hansjörg Schertenleib, Moderation: Jörg Magenau
Literaturhaus-Bibliothek
Eintritt: 9,– € / 7,– €
Karten unter: 089 – 54 81 81 81 oder www.muenchenticket.de

Freitag, 11.11.2011, 16 Uhr
Klartext
Mit Christoph Bartmann, Silke Behl, F.W. Bernstein, Bas Böttcher, Lydia Daher, Alex Dreppec, Norbert Gstrein, Felicitas Hoppe, Wend Kässens, Katja Lange-Müller, Michael Lentz, Jörg Magenau, Andreas Maier, Julia Westlake.
Moderation: Matthias Politycki und Prof. Sven Hanuschek
Ort: LMU Hauptgebäude, Raum F107, Eintritt frei
In Zusammenarbeit mit dem Institut für deutsche Philologie der LMU

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


× zwei = 10

* Copy This Password *

* Type Or Paste Password Here *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>